Klimaveränderungen sind wegen ihrer Globalität und langandauernden Auswirkungen eine zentrale Problematik für die nachhaltige Entwicklung. Infolge der Komplexität sind fundamentale Fragen noch nicht geklärt. Internationale Forschungsprogramme und wichtige Publikationsorgane zeigen, dass die Schweizer Klimaforschung eine Spitzenposition belegt.
Das OcCC erachtet folgende Massnahmen als zentral, damit die schweizerische Klima- und Global-Change-Forschung auch künftig effizient ihre Beiträge zur Nachhaltigkeitsforschung leisten und auf höchstem internationalen Niveau bleiben kann:
Nach Abschluss des NFP31 und nach dem Auslaufen des SPP Umwelt (1999) existiert in der Schweiz kein programmatischer Forschungsteil Klima und globale Umwelt veränderungen mehr. Das beratende Organ für Klimaforschungsfragen des EDI und des UVEK (OcCC) hat sich daher - unter Berücksichtigung der Vorschläge anderer Gremien - mit möglichen Perspektiven für die schweizerische Klima- und Global-Change-Forschung befasst.
Am Erdgipfel von Rio 1992 wurde eine Agenda für eine nachhaltige Entwicklung formuliert. Darin wurden die Kernprobleme des Globalen Wandels identifiziert :
Die Veränderungen in der Atmosphäre und der damit verbundene Klimawandel betreffen alle Menschen unabhängig davon, ob sie Mitverursacher der Veränderungen sind oder nicht. Das Verständnis des Klimasystems und dessen Wechselwirkungen mit den gesellschaftlichen Systemen und der Biosphäre ist somit zentral für eine nachhaltige Entwicklung.
Mit der Klimakonvention der UNO , die auch von der Schweiz ratifiziert wurde, hat sich die internationale Staatengemeinschaft die Aufgabe gestellt, die potentiellen Auswirkungen von Klimaänderungen zu untersuchen und geeignete Anpassungsstrategien zu entwickeln. Im Protokoll von Kyoto (1997) wurden erstmals quantitative Ziele für die Reduktion von Treibhausgasemissionen festgelegt. Die Schweiz hat sich dabei verpflichtet, bis zum Zeitraum 2008-2012 die Emissionen um 8% gegenüber dem Wert von 1990 zu reduzieren.
Die anthropogene Beeinflussung des Klimasystems wird stark von den künftigen Veränderungen - z.B. durch Landnutzung, erhöhten Energieverbrauch und Mobilität - in den bevölkerungsreichen Schwellen- und Entwicklungsländern abhängen.
Massnahme 1Um die spezifischen Problemlagen und Lösungsmöglichketen dieser Länder in die Forschung miteinzubeziehen, ist eine verstärkte Kooperation mit den Schwellen- und Entwicklungsländern notwendig. |
Die globalen Veränderungen der Umwelt und der Wirtschaft verlangen auch von der Forschung ein Überdenken der bestehenden Strukturen und der Forschungsinhalte. Im internationalen Rahmen wurde diesem Anspruch mit koordinierten Programmen Rechnung getragen.
2.1 Wichtige Fragestellungen für die Klima- und Global-Change-Forschung
Auf internationaler Ebene erfüllen die grossen Weltdachprogramme (WCRP, IGBP, IHDP) mit ihren zahlreichen Unterprogrammen eine zentrale Rolle in der Koordination der Klima- und Global-Change-Forschung. Innerhalb dieser internationalen Programmstrukturen bestehen gut organisierte Forschergemeinschaften, die Spitzenleistungen hervorbringen. Auch die europäischen Forschungsprogramme gliedern sich in diese Weltdachprogramme ein. Die zentralen Fragestellungen der Weltprogramme sind:
World Climate Research Programme (WCRP):
International Geosphere - Biosphere Programme (IGBP):
International Human Dimensions of Global Environmental Change Programme (IHDP):
2.2 Wissensstandsberichte (IPCC)
Die in den internationalen Programmen und einer grossen Zahl von nationalen und Einzelprojekten erarbeiteten Resultate sind dann besonders relevant, wenn sie nicht nur über die Disziplinengrenzen hinweg, sondern auch zu Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Administration kommuniziert werden. Die international etablierte Expertenplattform Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) übernimmt diese Funktion. Schweizer Forschende waren dabei von Beginn an stark vertreten.
2.3 Wichtige Beiträge der Schweiz
In den folgenden Bereichen leistet die schweizerische Forschung einen wichtigen Beitrag im Themenbereich der internationalen Global-Change-Forschungsprogramme :
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Themenschwerpunkt |
Programm |
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Solares Forcing - globale Strahlungsbilanz |
WCRP (GEWEX) |
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Paläoklimaforschung - Datenarchive |
IGBP (PAGES) |
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Globale bis regionale Klimavariabilität - Prozessstudien |
WCRP (CLIVAR) |
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Downscaling, Regional- und Impactstudien |
WCRP (GEWEX), IGBP (GCTE) |
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Alpenklima - Wasserhaushalt - Mesoscale Alpine Program (MAP) |
WCRP (GEWEX), IGBP (BAHC, GCTE) |
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Atmosphärische Grenzschicht und Luftverschmutzung, Chemie der höheren Troposphäre und Stratosphäre |
IGBP (IGAC), WCRP (SPARC) |
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Messsysteme (inkl. Satelliten) und Monitoring |
GAW, GCOS |
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Klimaänderung und Naturgefahren |
WCIRP, GCOS |
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Aquatische und terrestrische Ökosysteme unter Klimaveränderung (inkl. Stickstoff und CO2 Effekte) |
IGBP (GCTE, BAHC) |
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Landnutzung und Bodendegradation |
IGBP / IHDP (LUCC) |
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Biochemische und geochemische Kreisläufe (Ozean, Luft, Boden, Biosphäre) |
IGBP |
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Biodiversität in einer veränderten Umwelt |
IGBP, DIVERSITAS |
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Umweltveränderungen und Tourismus |
IHDP, GCTE |
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Umweltverantwortliches Handeln |
IHDP* |
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Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Global Change und Einfluss auf das Verhalten |
IHDP,GOES |
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Energieverbrauch und Internationale Global- Change-Politik |
IHDP* |
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Ressourcen und Ressourcenkonflikte |
IHDP* |
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Policy Instrumente für den Umgang mit Global Change |
IHDP* |
* Im Themenbereich des IHDP ist die internationale Integration der Forschung am wenigsten weit fortgeschritten, so dass verschiedene Themen noch nicht in Programmen organisiert sind.
Das OcCC erachtet drei sich ergänzende Forschungsebenen als geeignete Voraussetzung für einen guten Wissenstransfer zwischen Forschung und Umsetzung:
3.1 Grundlagenforschung auf hohem internationalem Niveau
Massnahme 2Damit unerwartete Veränderungen und Fragestellungen frühzeitig erkannt werden und das technologische, sozial- und naturwissenschaftliche Basiswissen greifbar ist, ist eine enge Einbindung der Grundlagenforschung von grosser Bedeutung. |
Diese Forschung ist in der Schweiz etabliert und wird wie bisher in Form von Einzelprojekten durch den Nationalfonds unterstützt. Sie wird in diesem Bericht nicht weiter diskutiert.
3.2 Forschungsprojekte im Rahmen grosser internationaler Programme
Massnahme 3Das Verständnis der komplexen globalen Probleme muss unter maximaler Nutzung von Synergien rasch erhöht werden. Dies bedingt eine starke Integration der schweizerischen Klima- und Global-Change-Forschung in die europäischen und insbesonders in die globalen Forschungsprogramme. Damit wird auch eine unnötige Forschungsduplizierung vermieden. |
Traditionellerweise erfolgt die Finanzierung dieser Projekte durch verschiedene Gefässe, die Mittel aus der Grundlagenforschung, aus Forschungs- und Bundesanstalten und auch aus der programmatischen Forschung (EU und national) umfassen. Diese flexible Finanzierung ist angesichts der verschiedenschichtigen Anforderungen auch inskünftig optimal.
Eine breite Vernetzung kann insbesondere durch engagierte Forschungsgruppen erfolgen, welche in ihrem Themenbereich als internationale Koordinatoren auftreten. Um diese Vernetzung auf allen Ebenen zu ermöglichen, ist die Bereitstellung von Mitteln ('Glue Money', vgl. 3.4) notwendig.
3.3 Fokussierte Querschnittsthemen (Syndrome)
Massnahme 4Die spezifischen Ursachen und Auswirkungen globaler Probleme erfordern eine ganzheitliche Betrachtung. Die Bildung von Forschungsschwerpunkten und deren Einbindung in das schweizerische Kompetenznetz sind ein geeignetes Instrument dazu. |
Die Schweizer Forschenden kommen in ihrem Grundsatzpapier überein, dass als Ergänzung zur Erforschung der Umweltprozesse eine ganzheitliche Erforschung von fokussierten Querschnittsthemen (d.h. mehrere der oben erwähnten Kernprobleme betreffend) notwendig ist.
Der Syndromansatz steht dabei als Methode im Vordergrund. Die Öffentlichkeit (Gesellschaft und Wirtschaft) muss verstärkt in die Planung und Realisierung von Forschungsvorhaben einbezogen werden.

Das vom Schweizerischen Nationalfonds vorgeschlagene Konzept der Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) als Ersatz für die Schwerpunkt-Programme (SPP) ist eine Chance, um flexible, von führenden Forschungsgruppen geleitete thematische Schwerpunkte zu bilden. Es ist jedoch kaum möglich, mit nur einer kleinen Zahl solcher NFS ein noch bedeutend breiteres Thema (Nachhaltigkeit) als den Inhalt des SPP-Umwelt abzudecken. Aufgrund bisheriger Erfahrungen sind zahlreiche kleinere, aber gut vernetzte Forschungsschwerpunkte zu empfehlen. Partnerschaftliche Lösungen, z.B. mit Technologieförderungsprogrammen, sind unabdingbar.
Gemäss den Plänen des Nationalfonds erfordern die NFS ein bedeutendes Engagement auch von Seiten der Hochschulen oder Forschungsanstalten. Es braucht somit dringend eine frühzeitige, klare Definition der Rahmenbedingungen und eine genügend lange Ausschreibungszeit. Ansonsten werden die mit höherem Koordinationsaufwand verbundenen vernetzten Projekte ganzheitlicher Natur wenig Chancen haben.
3.4 Mittel für die Koordination
Massnahme 5Damit besonders aktive und international bedeutende Schweizer Forschungsgruppen in den internationalen Programmen verstärkt eine koordinierende Rolle wahrnehmen können, sollten zusätzliche Mittel ('Glue Money' ) für solche Zwecke vorgesehen werden. |
Gemäss internationalen Empfehlungen sollte ein Anteil (einige Prozente) der ausgeschütteten Forschungsgelder als 'Glue Money' eingesetzt werden. Diese Gelder könnten z.B. in einen Pool fliessen, der für solche Koordinationszwecke auf allen Ebenen (also sowohl für Expertengremien wie auch für koordinierende Forschende) verfügbar ist. Die Vergabekriterien, die Herkunft dieser Mittel und deren Verwaltung müssen noch konkretisiert werden.
3.5 Förderungskriterien
Massnahme 6Um die Qualität von integrierten Forschungsprojekten mit Bezug zu Fragen der Nachhaltigkeit besser beurteilen zu können, ist eine Ergänzung der Förderungskriterien notwendig. |
Für die Forschungsförderung ist die wissenschaftliche Qualität und fachliche Tiefe eines Gesuches entscheidend. Um Projekte im Bereich der Nachhaltigkeit und des Globalen Wandels zu fördern, sollte jedoch der Qualitätsbegriff auf die Bereiche
ausgedehnt werden. Eine detaillierte Umschreibung dieser Kriterien und Leitlinien für deren Beurteilung müssen erarbeitet werden.
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Mitglieder des OcCC |
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Prof. G.-R. Plattner (Präsident) |
Universität Basel |
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Dr. Thomas Bürki |
Thomas Bürki GMBH |
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Prof. Huw Davies |
ETH Zürich |
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Prof. Ruth Kaufmann-Hayoz |
Universität Bern |
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Dr. Ivo Knoepfel |
Schweizer Rück |
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Prof. Christian Körner |
Universität Basel |
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Prof. Urs Luterbacher |
IUHEI, Genève |
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Prof. André Musy |
EPF Lausanne |
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Prof. Heidi Schelbert |
erem. Universität Zürich |
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Prof. Thomas Stocker |
Universität Bern |
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Prof. Hans Thierstein |
ETH Zürich |
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Prof. Heinz Wanner |
Universität Bern |
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Mitglieder mit beratender Stimme |
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Dr. Pierre Berlincourt |
Bundesamt für Bildung und Wissenschaft |
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Dr. Thomas Gutermann |
Schweizerische Meteorologische Anstalt |
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Hans-Jörg Lehmann |
Bundesamt für Landwirtschaft |
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Alexander Rist |
Dienst für Gesamtverkehrsfragen, EVED |
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Dr. Gerhard Schriber |
Bundesamt für Energiewirtschaft |
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Dr. Gilbert Verdan |
Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft |
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Dr. Jean-Bernard Weber |
Schweizerischer Nationalfonds |
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Mitglied (ex officio) |
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Anne-Christine Clottu Vogel |
Schweiz. Akademie der Naturwissenschaften, SANW |
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Geschäftsstelle |
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Dr. Christian Plüss |
Sekretär OcCC, ProClim-, Bern |
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Dr. Christoph Ritz |
ProClim-, Bern |