Zusammenfassung
1. Klimaänderung und Naturgefahren
Als Folge der erwarteten Klimaänderung wird mit weltweiten, ernsthaften Auswirkungen gerechnet, wenn die Emissionen der Treibhausgase nicht deutlich reduziert werden können. In der Schweiz sind insbesondere die Auswirkungen von Naturgefahren von Bedeutung, wobei hier Hochwasser zu den schadenreichsten Ereignissen zählen. Der vorliegende Wissensstandsbericht behandelt die Häufigkeit und die möglichen ökonomischen Auswirkungen von extremen Niederschlagsereignissen und Trockenheiten in der Schweiz.
2. Klima, Extremniederschlag und Abfluss
Die Forschung hat in den letzten Jahren zu einem vertieften Verständnis der Prozesse geführt, die zu Extremniederschlag und Hochwasser führen. Mit heutigen Klimamodellen können Veränderungen des mittleren Klimas der Zukunft abgeschätzt werden, sie lassen aber keine Aussagen über die zukünftige Entwicklung von Extremereignissen zu. Hingegen sind Wetterprognosemodelle in der Lage, die Bildung extremer Niederschlagsereignisse frühzeitig zu erkennen.
Die Prozesse, die zu einer langandauernden Trockenheit führen, sind für den Alpenraum noch wenig bekannt.
3. Häufigkeit von Niederschlags- und Hochwasserereignissen
Berechnungen mit Klimamodellen lassen eine Intensivierung des Wasserkreislaufes als Folge der anthropogenen Klimaerwärmung erwarten. Neuste Analysen von Beobachtungen der letzten 100 Jahre in der Schweiz bestätigen die Modellvorhersagen: In den Alpen wurde eine Zunahme der Niederschläge im Herbst und im Winter um bis zu 30% festgestellt. Dieser Trend dürfte sich in Zukunft weiter verstärken. Im Mittelland und in der Südschweiz wird als Folge dieser Zunahme mit häufigeren Hochwasserereignissen im Winterhalbjahr gerechnet.
Für den Sommer sind die beobachteten Veränderungen des Niederschlags gering und dessen zukünftiges Verhalten noch unsicher. Die Auswirkungen auf das Abflussverhalten der Alpenflüsse, deren Hochwasser in erster Linie von Sommergewittern verursacht werden, sind somit noch nicht abschätzbar.
4. Wirtschaftliche Auswirkungen extremer Niederschlagsereignisse
Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden anhand von drei Szenarien beurteilt:
- Eine saisonale Trockenheit würde in der Schweiz nicht zu gravierenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen führen, da genügend Wasserreserven bestehen.
- Bei einer Zunahme der regionalen Hochwasser sind zusätzliche Kosten in von einigen hundert Millionen Franken pro Jahr zu erwarten. Dieses zusätzliche Schadenpotential kann mit den bestehenden Versicherungen, Rückversicherungs- und Solidarabkommen weitgehend aufgefangen werden.
- Klimageschichtliche Unterlagen zeigen, dass extreme Hochwasserereignisse auftreten können, deren Ausmass die heute bekannten regionalen Ereignisse bei weitem überschreitet. Die Schadenskosten könnten die heutige Versicherungsdeckung massiv übersteigen. Aufgrund der Seltenheit solcher Ereignisse ist ein Bezug zu Klimaänderungen jedoch nicht möglich.
5. Massnahmen zur Verminderung künftiger Hochwasserschäden
Massnahmen zur Vermeidung von Hochwasserschäden greifen an verschiedenen Stellen in die Wirkungskette Niederschlagsbildung - Hochwasser - Schadenereignis ein.
- Bezüglich der baulichen Massnahmen weist die Schweiz ein hohes Niveau auf, eine Gesamtevaluation bei Neuinvestitionen drängt sich jedoch auf.
- Der Raumplanung kommt mit steigender Hochwassergefahr eine markant grössere Bedeutung zu. Eine wirksame Nutzungsplanung vermindert das Schadenspotential.
- Eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen bringt keine direkte Wirkung. Den grössten umweltpolitischen Nutzen erreicht die Schweiz, wenn sie sich auf der internationalen Ebene für Treibhausgasreduktionen einsetzt, was auch eine nationale Reduktion miteinschliesst.
6. Synthese und Handlungsbedarf
Für die Bewältigung häufigerer Hochwasserereignisse sind verschiedene Institutionen gefordert:
- Die Forschung hat die Klima-, Wetterprognose- und Naturgefahrenmodelle weiter zu verbessern. Zudem sind bessere Grundlagen zur Abschätzung von Schadenskosten und Kosten-Nutzen-Analysen von Schutzmassnahmen nötig.
- Den Versicherungen wird u.a. das Überprüfen der Deckungsbeträge und die Entwicklung risikogerechter Prämien empfohlen.
- Der Staat wird auf allen Ebenen gefordert:
- In den Gemeinden mit der angemessenen Berücksichtigung des Hochwasserschutzes in der Nutzungsplanung;
- auf Kantonsebene mit der Richtplanung und dem effizienteren Einsatz der Mittel für den Hochwasserschutz;
- auf Bundesebene mit einer verstärkten raumplanerischen Koordination, mit einem effizienten Einsatz der Beiträge an den baulichen Hochwasserschutz sowie diplomatischen Initiativen für internationale Umwelt- und Klimaabkommen.